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IMPRESSUM
Wappen von Walberberg
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EdM_2013-06A

MuseumDetails-LOGOEin Teil der Walberberger Geschichte
 
                 Archiv 2013
Exponat des Monats

Januar 2013

Langerweher Baare (Bruchstück)
19. Jahrhundert

EdM 2013-01 - Hintergrund_ADer im Naturpark Nordeifel westlich von Düren  gelegene Ort Langerwehe hat eine über 1000jährige Töpfereigeschichte, die im örtlichen Töpferei-Museum anschaulich dargestellt wird.
Die sog. „Baaren“ sind große Vorratsgefäße von 50 -70 cm Höhe mit einer dunkelbraunen Glasur und zwei Henkeln. Sie dienten als Einmachtöpfe.

Typisch für die Langerweher Baaren ist der gezackte Fuß (Kronenfuß). Er dient genauso wie der breite Rand als hervorragende Knautschzone, die zwar selbst relativ schnell zu Bruch gehen kann, den eigentlichen Gefäßkörper aber vor Beschädigungen schützt.
 

Foto: Tück

EdM 2013-01 - Bruchstück Fuß

Februar 2013

Ausrufer

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden amtliche Bekanntmachungen von einem neben- oder hauptamtlichen Amtsdiener der Gemeinde mündlich ausgerufen. Da dies mit einer Schelle angekündigt wurde, nannte man sie auch „Ausrufer“ oder „Ausscheller“

Die dargestellte Figur wurde von Kathrin Eß, einer Kunsthandwerkerin aus Walberberg, geschaffen. In den 1970er Jahren fertigte sie zahlreiche Puppen an, die Menschen aus längst vergangener Zeit in typischen Alltagssituationen darstellen.
(siehe auch Exponate März und Juli 2012)

Die Figur hält den Bekanntmachungstext, der in deutscher Kurrantschrift verfasst wurde, die in den 1920er Jahren von der Sütterlin-Schrift abgelöst wurde:

Sechtem, 3.9.1912
Bekanntmachung
Hiermit wird bekannt gemacht, daß jeder Anlieger für die Sauberkeit der Straße verantwortlich ist!

Der Bürgermeister

Von 1815 bis 1935 gehörte Walberberg als eigenständige Gemeinde zur Bürgermeisterei Sechtem.

Foto: Keßler

EdM 2013-02

März 2013

Römischer Dachziegel  (Tegula)
1. - 3. Jahrhundert

Der abgebildete Dachziegel wurde 1958 an der unteren Hanrathstraße gefunden. Das Wort „Ziegel“ stammt von dem römischen Wort „tegula“ ab.

Die Dächer der römischen Gebäude waren mit einer Kombination von zwei Ziegelformen gedeckt:

der Tegula (Leistenziegel) und
der
Imbrex (Hohlziegel).

Die Tegula ist ein rechteckiger, flacher Ziegel mit hochgezogenen Leisten an beiden Längsseiten. Auf dem Dach stoßen die seitlichen Leisten zweier nebeneinander liegender Tegulae aneinander. Über die Stoßfuge wird eine halbröhrenförmige Imbrex gelegt, um den Regen auf die Tegula abzuleiten. Das lateinische Wort für Regen heißt „imber“.

Die Leistenziegel hatten eine Größe von ca. 30 x 40 cm. An den Ecken war eine Nut ausgespart, um ein Verrutschen der Ziegel zu verhindern.
Ziegel und Mauerreste von römischen Gebäuden wurden bisher am Pfarrhaus, an der Hanrathstraße, an der Buschgasse, östlich der Kitzburg und in der Feldflur „Winneschkuhl“ östlich des Ortes gefunden.
Auf der Wiese nördlich der oberen Schützenstraße stand wahrscheinlich eine römische Ziegelei.

Fotos: J. Tück / Archiv FHW

Tegula
Tegula und Imbrex im Verbund

April 2013

Rundziegel
einer römischen  Fußbodenheizung
ca. 2. Jahrhundert n.Chr.
Durchmesser 19 cm
Höhe. 6 cm 
Fundort: Buschgasse 25 (1997)

Viele römische Häuser waren bereits damals mit einer Fußbodenheizung ausgestattet.
Bei dieser sog. Hypokaustheizung  strömte heiße Luft von einem Brennraum unter den von runden oder quadratischen Steintürmchen gestützten Fußboden aus großformatigen Ziegelplatten.

Der griechische Name Hypokaust besteht aus den  Wörtern hypo (unter) und kauston (Brennplatz).

Der abgebildete Rundziegel wurde 1997 bei Ausgrabungen von Mauerresten einer villa rustica (römisches Landgut) an der Buschgasse 25 gefunden.

Fotos: Archiv FHW

EdM 2013-04
EdM 2013-04A

Mai 2013

Stielkugeltopf
Höhe: 10 cm,  größter Durchmesser 9,5 cm
ca .12/13. Jahrhundert

Der abgebildete Stielkugeltopf  aus niedrig gebrannter hellgelber Irdenware wurde handgeformt und weist den für Kugeltöpfe typischen Linsen- oder Wackelboden auf. Im unteren Kugelbereich sind leichte Dellen zu erkennen, die bei der Handformung entstanden sind. Die Oberfläche ist matt und teilweise sandig. Der  unter der Lippe angesetzte gebogene Stiel  diente als Griff. Er verjüngt sich zum stärker gekrümmten Ende, das scharf abgeschnitten wurde.

Stielkugeltöpfe  gehörten im frühen Mittelalter zu den gebräuchlichen Küchengeräten. Sie dienten als Maß- und Schöpfgeräte. Vermutlich stammt dieser Fund aus Badorf oder Pingsdorf, wo dieser Gefäßtyp häufig ausgegraben wurde.

Fotos: J. Tück

EdM 2013-05 - Stielkugeltopf

Juni 2013

Webgewichte

Material: grob gebrannter Ton
größter Durchmesser: 7.5 cm
größter Querschnitt: 5,0 cm

Fundort:
Buschgasse 27, 1982

 

 

Von der Steinzeit bis zum Mittelalter dienten Webgewichte zum Spannen der Kettfäden an  aufrecht stehenden Webstühlen. Die Kettfäden wurden durch das Mittelloch der Webgewichte geführt und verknotet. Die Formen der Webgewichte sind in verschiedenen Kulturen unterschiedlich. Neben ringförmigen wurden auch konische und pyramidenförmige Gewichte gefunden.

Fotos: J. Tück

EdM 2013-06 Webgewichte

Juli 2013

Römische Münze
Magnus Maximus
Münzstätte: Trier AE2
Prägezeit: zw. 383 und 388
Fundort: Walberberg, südwestlich des Klosterhofes - 1964

Bei dem Münztyp handelt es sich um ein

REPARATIO REI PVB (dt. „die Wiederaufrichtung des Reiches“).

Dieser Münztyp wurde für die römischen Kaiser Gratian, Theodosius I., Valentinian II. und Magnus Maximus geprägt.

Auf der Rückseite (Revers) sieht man den Kaiser, mit der Victoria auf der Kugel in der linken Hand, die ihn bekränzt. Links vor ihm eine weibliche Figur, kniend mit Mauerkrone.

Die Legende auf der Vorderseite der Münze (Avers) beginnt mit DN MAG, dann einige unleserliche Buchstaben und nach einer Unterbrechung geht es rechts vom Kopf weiter mit IMVS PF AVG.

Die vollständige Umschrift lautet somit:

DN MAG <MAX> - IMVS PF AVG.

Also handelt es sich um eine Münze des Magnus Maximus – er war von 383 bis zu seinem Tod als Usurpator Kaiser im Westen des römischen Reiches - und mit dieser Legendenunterbrechung wurde sie vom 25. August 383 - 28. August 388 in Trier geprägt.

Wie die Römer diese Münze nannten ist unbekannt. In der Numismatik spricht man deshalb von einer AE2. AE von Aes = Erz, für alle Münzen die nicht aus Gold oder Silber sind.

Fotos: H.W. Keßler

Vorder- und Rückseite der römischen Münze (RIC IX, Trier 85; C.3)

August 2013

Alte Bäuerin auf dem Weg zur Kirche

Kathrin Eß, Kunsthandwerkerin aus Walberberg, schuf ab Mitte der 1970er Jahre Puppen, die sie aus der eigenen Erinnerung und aus Erzählungen als Zeugnisse der Kleidung aus dem Vorgebirge zwischen 1850 und 1920 so authentisch wie möglich nachzubilden versuchte. Eine dieser liebevoll gestalteten Puppen widmete Sie sogar einer realen Person, der „Möhnche Dröch“.

Die „Möhnche Dröch“ genannte Gertrud Kübbeler wurde am 01.10.1818 zu Walberberg, in der Rheindorfer Hütte (Haus 63), als Tochter des Andreas Schmitz und seiner Frau Anna Margaretha geboren. Sie heiratete am 18.07.1844 Wilhelm Kübbeler und lebte als einfache Bäuerin bis 1924 in Walberberg. Als sie am 30. Dezember 1924 mit 106 Jahren starb, galt sie als älteste Frau Deutschlands.

Kathrin Eß war als Kind Nachbarin von Frau Kübbeler und sah sie mit ihrem langen dunklen Kleid, der Sonntagsschürze und dem Gebetbuch in der Hand zur Messe gehen.

Der bekannte Bonner Fotograf Theodor Schafgans hatte sie noch wenige Wochen vor ihrem Tode abgelichtet. Dieses Bild war in vielen Bildbeilagen deutscher Gazetten abgedruckt worden.

Anmerkung: Eine Herleitung des Namens “Mönche Dröch”, der so in einer Zeitung von 1980 abgedruckt wurde, war leider nicht möglich. Denkbar wäre ein Übertragungsfehler des Reporters. Denn bei “Dröck” bestünde ein Bezug zum Vornamen von Frau Kübbeler, da man auf “Bärje Platt” für Gertrud “Dröck” bzw. “Drück” sagt.

Weitere Puppen von Kathrin Eß in Museumsobjekt März und Juni 2012 sowie Februar 2013

Fotos: H.W. Keßler

EdM 2013-08

September 2013

Pfarrkirche St. Walburga im 18. Jahrhundert

Das Bild zeigt eine Zeichnung des Geometers T. Schumacher aus dem Jahr 1770. Es dokumentiert den Kirchbau mit dem hohen Turm, den die Jesuiten in der Mitte des 17. Jahrhunderts errichteten, nachdem sie das Kloster samt Kirche im Jahre 1591 übernommen hatten. Er überragte bis zur Vernichtung durch Brandbomben am 17. Oktober 1944 den Ort und war von weitem zu sehen.

Der Zeichnung ist folgende Erklärung in der Sprache des 18. Jahrhun- derts beigefügt, die interessante Einzelheiten über die Nutzung und die Aufteilung der Westempore enthält.

Pfarrkirche Zeichnung A72-Ausschnitt Emporea) und b) ist ein mit der Kirche zusammen- hängender Theil, der im 14. Jahrhundert noch mit der ein Cisterzienser Nonnen- kloster vereinigt war, als Chor diente, ist in zwei Etagen geteilt, wovon der Theil a mit einer Maur von der Kirche getrennt , der obere Theil, oder Etage b, ist mit einem dünnen inneren Mäuerchen von der Kirche abgetheilt, der, weil man von da durch eine Gitter die Aussicht in die Kirche hatte, als Oratorium diente, und den halb Kranken oder kaum Genesenden auch wohl Fremden auf Begehren von den Pfarrern eingeben wurde.

g) das gefährliche Kamin im Kirchendach, welches von dem Theile b, so im vorigen Jahre zur Schule bestimmt wurde, ausgeht.

Die Gesamtzeichnung mit dem Bild und der Erklärung  befand sich zwischen Prozessunterlagen über den Kirchhof von Walberberg aus dem Jahre 1790 (Anmerkung von Herrn Elten 1988)

Fotos: H.W. Keßler

Pfarrkirche Zeichnung A72

Oktober 2013

Römisches Wasserbecken

1982 wurde an der Buschgasse Nr. 27 im Gartenbereich ein sechseckiges römisches Wasserbecken freigelegt. Die Seiten sind jeweils 100 cm lang und 90,5 cm hoch. Die Wandstärke beträgt 30 cm. Es hatte in römischer Zeit offenbar die Funktion eines Quellwassersammlers. Boden und Wände bestehen aus römischem Stampfbeton (opus caementitium).

Innenseiten und Boden sind mit rötlichem Ziegelputz (opus signinum) ausgekleidet, wie er auch beim „Römerkanal“ verwendet wurde. Dieser rötliche Innenputz aus einer Mischung von Kalkmörtel und geriebenen Ziegeln verhindert weitgehend den Wasserverlust.

An der Ostseite des Beckens befand sich ein Abfluss, der außerhalb des Beckens mit großen römischen Ziegelplatten (tegulae) abgedeckt war.

Wahrscheinlich gehörte das Wasserbecken zu einem östlich/südöstlich gelegenen römischem Landgut (villa rustica), von dem 1997 Fundamentreste an der Buschgasse 25 gefunden wurden.

Der Durchbruch am Beckenboden ist vermutlich im Zusammenhang mit einem umfangreichen Töpfereikomplex zu sehen, der um das Becken gruppiert war. In Resten der karolingischen Öfen wurden große Mengen frühmittelalterlicher Keramik gefunden.

Foto: Keppeler/Slg. FHW

Quellwassersammler - Keppeler - EdM2013-10 - S096

November 2013

Großer Zeiger der Turmuhr von St. Walburga

Länge: 65 cm
Material: dünnes, schwarz lackiertes Aluminiumblech

Der große Zeiger ist das einzige erhaltene Teil unserer ehemaligen Kirchturmuhr. Dass dieser nach dem Bombenangriff auf die Pfarrkirche vom 17. Oktober 1944 erhalten blieb, verdanken wir Klaus Nonn, der den Zeiger als Junge wenige Tage nach dem Brand im Schutt fand und ihn als Erinnerungsstück aufbewahrte.

Als er 2008 in seiner neuen Heimat Lathen im Emsland von der Gründung des Förderkreises Historisches Walberberg erfuhr, schenkte er den Zeiger unserem Heimatmuseum.

Das quadratische Zifferblatt der Uhr auf dem Ostgiebel der Kirche hatte römische Stundenzahlen und eine Seitenlänge von 1,50 m.

Gelebte Heimatgeschichte am Rande:
Gina Dubbelfeld kann sich noch heute gut daran erinnern, dass sie als Schülerin in der alten Volksschule vom Klassenzimmer aus die Uhr lesen konnte. Ihr Lehrer Berg benutzte das Zifferblatt sogar als anschauliches Unterrichtswerkzeug.

Fotos: J. Tück / Archiv FHW

EDM2013-11 - Zeiger Kirchturmuhr
EDM2013-11 - Zeiger Kirchturmuhr2

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