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Bulletin zur Veranstaltung des Förderkreises

Los ging's bei leichtem Regen  vom Walberberger Kirmesplatz»Im Goldenen Oktober ins Goldene Mainz«
Tagesfahrt am Samstag, dem 02. Oktober 2010
Text und Fotos: Heribert W. Keßler

Unsere diesjährige, komplett ausgebuchte Exkursion stand unter dem Motto: »Im Goldenen Oktober ins Goldene Mainz« und 43 interessierte Mitbürgerinnen und Mitbürger machten sich auf in die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz.

Einer unserer Stadtführer vor der rekonstruierten Kulisse einer Häuserzeile am MarktplatzNachdem wir bei unseren vorherigen Touren bereits bittere Kälte in Xanten und stahlenden Sonnenschein in Trier genießen konnten, so hatten wir uns dieses Jahr für Regen entschieden, damit nicht nur bei den Zielen Abwechslung vorherrscht. Aber hierzu später mehr!

Nach einer gut zweistündigen Fahrt erreichten wir unseren diesjährigen, gut 2.000 Jahre alten Zielort und mussten feststellen, dass das heute 200.000 Einwohner zählende, ehemalige römische Legionslager »Mogontiacum« (13/12 v.Chr. von Feldherrn Nero Der Mainer Dom, Baubeginn um 975Claudius Drusus am Rhein - gegenüber der Mainmündung auf einem Hochplateau - angelegt) ganz schön verbaut ist und man die „wahren Schätze“ aufmerksam suchen muss. Zum Glück hatten wir zwei engagierte Stadtführer an unserer Seite, die allen Teilnehmern nicht nur die Geschichte, sondern auch die Besonderheiten der Stadt aufzeigen konnten.

Den ersten Höhepunkt bildete sicherlich der Mainzer Dom mit Doppelchoranlage aus dem späten 10. Jahrhundert. Der Hohe Dom zu Mainz ist die Bischofskirche der römisch-katholischen Diözese Mainz und steht unter dem Patrozinium des heiligen Martin von Tours. Der Ostchor ist dem Hl. Stephan geweiht. Der zu den Kaiserdomen zählende Bau ist in seiner heutigen Form eine dreischiffige romanische Säulenbasilika, die in ihren Anbauten sowohl romanische als auch gotische und barocke Elemente aufweist. Der Mainzer Dom ist künstlerisch und historisch gesehen von höchster Bedeutung. Die schicksalhafte und wechselvolle Geschichte des Mainzer Doms war über Jahrhunderte hinweg eng mit der machtvollen Stellung der Mainzer Erzbischöfe verbunden. Entsprechend prachtvoll gestalteten sie ihre Hauptkirche.

Zu erleben, wie vor 550 Jahren Bücher gedruckt wurden, war sehr beeindruckend!Dann ging es zum nächsten Zwischenstopp. Dem Dom gegenüber, im Zentrum der Altstadt von Mainz, befindet sich das Gutenberg-Museum. Es wurde 1900, zum 500. Geburtstag Johannes Gutenbergs, einem der berühmtesten Bürger der Stadt, gegründet. Es zählt zu den ältesten Druckmuseen.

Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg (* um 1400 in Mainz; † 03.02.1468 in Mainz – Grabstätte unbekannt!), gilt als Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Metall-Lettern in Europa. Das Museum zeigt seine technischen und künstlerischen Erfindungen und die Entwicklung der Druckkunst in aller Welt.
Dann konnten wir noch einer Druckvorführung beiwohnen und live erleben, wie man vor rd. 550 Jahren Papier bedruckte. Wahrlich ein sehr schweißtreibendes Unterfangen, trotz aller „modernen“ Technik!

Im Tresorraum des Museums wartete dann noch ein besonderes Druckwerk auf uns. Die legendäre 42zeilige Gutenberg-Bibel, auch B42 genannt. Das zweibändige Werk mit insgesamt 1282 Seiten entstand zwischen 1452 und 1454 unter Mithilfe von etwa 20 Mitarbeitern. Gutenberg hatte für diese Bibel 290 verschiedene Drucklettern gegossen, mit bis zu fünf unterschiedlichen Ausfertigungen für einen Buchstaben in Groß- und Kleinschreibung. Die farbigen Initialen und Zeichen wurden im Anschluss in mühevoller Handarbeit eingefügt. Von den ursprünglich 180 Exemplaren waren vermutlich 150 auf Papier und die restlichen auf Pergament gedruckt. Heute existieren weltweit noch 48 Exemplare, davon sind zwei im Fachwerkensemble am Kirschgarten in der Mainzer AltstadtBesitz des Gutenberg-Museums.

Im Anschluss geleiteten uns die Stadtführer noch durch die Mainzer Altstadt. Gut sanierte Fachwerkhäuser, die bis zu 500 Jahre alt sind, stehen in der Altstadt auf dem Kirschgarten. Häuser mit Marienstatuen zu bestücken war eine Altmainzer Tradition. In der engen Augustinergasse steht eine prächtige Seminarkirche, die in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts als Klosterkirche errichtet wurde. Bereits 1260 soll sich an dieser Stelle eine Kirche der Die Kirche wurde von 1768 bis 1771 anstelle des ab 1260 errichteten gotischen Kirchenbaus errichtetAugustiner-Eremiten befunden haben und wenige Schritte von dieser imposanten Barockkirche trafen sich die Teilnehmer zu unserem Mittagstermin. Nach so viel Geschichte ließen wir uns, umgeben vom historischen Ambiente des Mainzer Augustinerkellers, das Mittagessen schmecken.

Im Anschluss an das Mittagsmahl konnte die Altstadt noch auf eigene Faust erkundet werden, bevor wir uns dann alle wieder um 16:00 Uhr in der katholischen Pfarrkirche St. Stephan trafen, die 990 von Erzbischof Willigis auf der höchsten Erhebung der Stadt gegründet worden war und heute die älteste gotische Hallenkirche am Mittelrhein ist. Die Altarfenster in St. Stephan, mit Motiven aus dem Alten TestamentEinzigartig in Deutschland sind aber die Chorfenster der Stephanskirche, die ab 1978 von Marc Chagall gestaltet wurden. Chagall wollte sein Werk als Beitrag zur jüdisch-deutschen Aussöhnung verstanden wissen. Bis zu seinem Tod 1985 schuf Chagall insgesamt neun Fenster für den vorderen Teil der Kirche, die in ihren unterschiedlich intensiv leuchtenden Blautönen biblische Gestalten und Ereignisse aus dem Alten Testament darstellen. Als Hinführung zu den Meisterwerken dienen die 18 im Langhaus und Westchor nach dem Tode Chagalls entstandenen und bewusst schlichter gehaltenen Fenster von Charles Marq, dem Seniorchef des Glasateliers Jacques Simon in Reims. Marq war ein langjähriger Mitarbeiter und Freund Chagalls. Diese Fenster sollen keine Imitation des Meisters darstellen, sondern individuell aber in Harmonie mit den schon vorhandenen ihre eigene Sprache sprechen. Das letzte dieser Fenster wurde im Jahr 2000 eingesetzt.

Wir kamen in den Genuss einer erläuternden Meditation über die Geschichte der Fenster und deren Inhalt. Das war ein weiteres beeindruckendes Erlebnis und untermauerte in seiner Intensität den grandiosen optischen Eindruck des Gesamtkunstwerkes, denn mit 177 m² Buntglas hat Marc Chagall der Stephanskirche sein größtes Werk der Glasmalerei hinterlassen.

Der letzte Höhepunkt führte den Walberberger Reisetrupp zu einem alten Bekannten. Den Kreuzweg-Zyklus von Peter Strausfeld, der über 70 Jahre im Walberberger Dominikanerkloster hing und nun, nach dessen Schließung Ende 2007, im Dominikanerkloster St. Bonifaz in Mainz ein neues Zuhause gefunden hat.

Gegen 18:00 Uhr machten wir uns dann auf die Rückfahrt und beschlossen so unsere diesjährige Exkursion, die von dem Team um Jons Tück ausgearbeitet und perfekt organisiert worden war. Lediglich die Vorgabe mit dem regnerischen Wetter hatte nicht funktioniert. Obwohl alle Teilnehmer sich vorsorglich mit Regenschirmen bewaffnet auf die Tour begeben hatten, so blieb es in Mainz zwar den ganzen Tag über bewölkt, aber trocken! Nun ja, es kann nicht alles klappen! Es sind sicherlich schon alle gespannt, wohin die Exkursion des Förderkreises im nächsten Jahr gehen wir. Vielleicht nach Mayen oder Aachen? Wir werden sehen.