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Wappen von Walberberg
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Vom Donaustrom ins Rheinland

Zwischen 400 bis 300 vuZ. erreichten die Kelten, ein indogermanischer Volksstamm aus dem Donauraum, unsere Breiten und verdrängten (wahrscheinlich) die Ligurer. Es ist nicht geklärt, ob es zur Ausrottung oder Vermischung der Kulturen kam. Im 1. Jahrhundert vuZ. waren in unserer Gegend rechtsrheinisch (zwischen Wupper und Lahn) die Ubier (westgermanischer Volksstamm) und linksrheinisch die Eburonen anzutreffen, ein keltischer Volksstamm, der zwischen Rhein und Maas (nördlich bis Köln, südlich bis Andernach) ansässig war und im Süden an die keltischen Treverer grenzte. Mit dem Einrücken der Römer ins Rheinland wurden die Kelten zurückgedrängt und aufgrund der kriegerischen Handlungen stark dezimiert.

Die Römer und das rheinische Vorgebirge

Die Römer hatten die linksrheinischen Gebiete besetzt und mit starker Hand befriedet. Allerdings wollten Sie auch den Raum zwischen Rhein und Weser romanisieren und stießen hierbei auf erbitterte Gegenwehr der hier ansässigen Germanenstämme. Nach etlichen Scharmützeln, insbesondere der legendären Varusschlacht, zogen sich die Römer wieder hinter ihren Limes, auf die linke Rheinseite zurück.
Im Grenzgebiet des römischen Rheinlandes kam es nach der Rücknahme der Ostgrenze auf die Rheinlinie immer wieder zu Überfällen einzelner Germanenstämme, die aber vom Römischen Heer zurückgeschlagen werden konnten. In der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts verschärfte sich die Lage immer mehr. Selbst die Ansiedlung der römerfreundlichen Ubier auf linksrheinischem Terrain (Gebiet von der Ahr bis zur Erft und westlich bis zur Wurm) führte nur zu einer vorübergehenden Stabilisierung. Durch den Zusammenschluss völlig freier, unabhängiger Germanische Stämme (Salier, Sugambrer, Chamaven, Tenkterer, Chattuarier, Brukterer, Usipier, Amsivarier, Chatten u.a.), die sich Franken (die „Freien“, „Kühnen“) nannten und ursprünglich an der Weser, am Niederrhein und im rechtsrheinischen Raum siedelten und sich zum Zweck der Kriegsführung gegen die Römer zusammengeschlossen hatten drohte dem römischen Imperium ernste Gefahr. Zum ersten Mal wurde der „Stamm der Franken” im Jahre 242 erwähnt. Mit dem Vordringen dieser Kämpfer auf das linksrheinische Gebiet (verstärkt ab 256/57) kam in den nachfolgenden Jahrzehnten die römische Herrschaft immer mehr ins Wanken. Im Jahre 355 werden Köln und Bonn zerstört, 388 erfolgen weitere Überfälle und Brandschatzungen auch in unserem Gebiet. Die Franken besetzten schließlich das Rheinland und lösten somit die dortige römische Herrschaft ab. Köln wurde 459 Hauptstadt des fränkischen Reiches der Ripuarier und auch die germanischen Ubier - größtenteils romanisiert – gingen in den ripuarischen Franken auf.

Erbarmen, die Franken kommen ...

Doch mit den Franken änderte sich auch das Bild der Gegend. Während die Römer die Stadt als Siedlungsform bevorzugten, zogen die Franken eher das Land vor. So finden wir die fränkischen Herren in unserer Gegend häufig auf den alten römischen Villen und Gutshöfen außerhalb der Städte. Eine frühere These, dass die spätantike Lebensweise eine städtische und die fränkische eine ländliche sei, ist mittlerweile überholt. Im Rheinland kommt es im späten 5. und frühen 6. Jahrhundert zwar zu einer Neuanlage von Gräberfeldern im ländlichen Raum, doch die frühen fränkische Stadtzentren (Köln, Jülich, Boppard usw.) belegen, dass die Franken auch die römische Infrastruktur weiter nutzten und auch wieder zu beleben wussten.

Fehlende Rohstoffe und Luxusgüter werden durch Ausbeutung der Ruinen gewonnen. So wurde von Leo Schaefer bei Renovierungsarbeiten der Walberberger Pfarrkirche in den 80ger Jahren des letzten Jahrhunderts festgestellt, daß das zum Bau der ersten Saalkirche verwendete Material - aufgrund seiner Güte - nur von einem römischen Bauwerk oder Monument stammen könne.

Am Rande bemerkt ...

Verwaltet wurde das in Grafschaften unterteilte Gaugebiet durch Grafen, die als königliche Beamte zugleich die Gerichtshoheit besaßen. Als Vögte übten die Grafen auch für die geistlichen Grundherren die Gerichtshoheit aus, weil diesen durch das Kirchenrecht die Blutgerichtsbarkeit verboten war. Dies brachte einen bedeutenden Einfluss- und Machtzuwachs des Titelinhabers mit sich.

Am Rande bemerkt ...

Hufe (Hube, althochd. huoba, mittellat. mansus), ein im Mittelalter gebräuchliches Acker- oder Feldmaß. Es bezeichnet ein Stück Land von der Größe, dass sich eine Familie davon ernähren und es jährlich mit einem Gespann Pferde bestellen konnte. Die Größe einer Hufe schwankte maßgeblich mit der Qualität des Bodens. In unserer Gegend lag diese gewöhnlich bei 20 bis 40 Morgen). In karolingischer Zeit betrug die durchschnittliche Größe einer Hufe etwa 10 Hektar, was nach “Cölner Maß” rd. 31,5 Morgen (Mg) entsprach.

Mit „Hufe“ wurden abgabepflichtige Höfe bezeichnet. Die eng mit der grundherrlichen Eigenwirtschaft verbundenen Kleinbauernstellen, die Mansen hingegen, waren von den Abgaben befreit und wurden auch als Freihufe bezeichnet. Allerdings verwischt die inhaltliche Unterscheidung Hufe und Mansen, so dass sie über die Jahre hinweg synonym verwendet wurden.
Nach dem Maßstab ihrer Größe hatten in einigen Gegenden die Hufen besondere Namen:

• Hakenhufe (rd. 15 Mg)
• Land- und Dorfhufe (rd. 30 Mg)
• Tripelhufe (rd. 45 Mg)
• Heierhufe (rd. 60 Mg)
• Stückhufe und Ritterhufe

Es gab auch Waldhufen, Wasserhufen usw., die nach ihrer besonderen Nutzung benannt waren.
Besonders absurd waren die so genannten »Schattenhufe«, die als fiktive Hufe Dorfbewohnern zugeordnet wurden, die keine Feldgrundstücke besaßen. Aufgrund dieser Schattenhufe konnten auch diese zur Steuer herangezogen werden.

 

Eine Ansiedlung hat es im heutigen Ortsbereich schon lange gegeben, doch erst Anfang des 12. Jahrhunderts, also gut sechs Jahrhunderte nach der  Eroberung unserer Region durch die Franken, ist die erste sichere schriftliche Erwähnung des Ortes überliefert.

Der Ortsname Walberberg, als »mons sanctae walburgis«, wurde im Jahre 1118 urkundlich in den „Anales Rodenses“ erwähnt. In dieser Urkunde ging es u.a. um die Schenkung eines Weinberges am Sankt Walburgisberg (Walberberg) an die Abtei Klosterrath. Aber bereits rund eineinhalb Jahrhunderte zuvor, im Jahre 962, hatte der Kölner Erzbischofs Brun(o) I von Sachsen (953-965) in einer Urkunde u.a. zwei Hufen in »Berge« an den Stift der heiligen Caecilia in Köln vermacht. Bisher war man davon ausgegangen, daß mit der Ortsbezeichnung “Berge” entweder Berkum oder vielleicht noch Hackenbroich, Grevenbroich oder Bergheim bezeichnet wurden. Jakob Lowey hingegen vertritt die Ansicht, daß mit Berche (oder Berge) nur das heutige Walberberg gemeint war, da die Reliquien der heiligen Walburga, die nach der Überlieferung der Kirche und dem Berg den Namen gegeben haben sollen, erst im Jahre 1069 von Eichstätt über Köln nach Walberberg überführt worden waren. Ferner wird im Volksmund Walberberg noch heute als »Berch« bezeichnet. Auch die räumlichen Gegebenheiten aus der Schenkungsurkunde von 962 sprechen dafür, daß mit Berge die Ortsansiedlung benannt wurde, aus der sich im Laufe der Jahre das heutige Walberberg entwickelte.

Durch die Überführung der Reliquien der heiligen Walburgis aus Eichstätt im elften Jahrhundert, wahrscheinlich durch den Kölner Erzbischof Anno II. und großzügige Stiftungen der Gräfin Alveradis, entstand in nachfolgender Zeit ein bekannter Wallfahrtsort.

Fortsetung folgt ...

WAL StartSeite A1 WALv2 50pGeschichte

Walberberg liegt am Osthang des Vorgebirges, jeweils rund 13 km Luftlinie von den Zentren Köln und Bonn entfernt, klimatisch begün- stigt und nach dem Abschmelzen der Eismassen von  hervorragenden Löss- böden umgeben. Diese gute Lage hat sicherlich dazu beigetragen, dass bereits während der Jungsteinzeit (4500 bis 1800 v.Chr.) hier gesiedelt wurde. Nach Auffassung des französischen Historikers und Philologe Marie Henri d'Arbois de Jubainville (*1827-†1910) waren es die Ligurer, die am Rhein und im heutigen Frankreich gesiedelt hatten und von den Kelten- und Germanenstämmen vertrieben wurden.
Aber wer auch immer die Vorzüge dieser Region erkannte und um 3500 v.Chr. mit Ackerbau und Viehzucht hier vermehrt sesshaft wurde. Die Funde von jungsteinzeitlicher Bandkeramik zwischen Walberberg und Trippelsdorf belegen diese frühe Besiedlung.

Walberberg ist daher ein gutes Beispiel dafür, wie sich auf römischen Fundamenten eine neue fränkische Herrschaft etablierte, die dann im Mittelalter wiederum durch die geistliche Herrschaft des Kölner Domkapitels abgelöst wurde.

Der Ort selbst ist voraussichtlich durch das Zusammenwachsen einzelner Ansiedlungen entstanden.

  1. im Norden: die Siedlung um die Rheindorfer Burg, einem Teil des ehemaligen Dominikanerklosters
  2. im Zentrum: die Ansiedlung um die Salburg mit Fronhof und Turm
  3. im Süden: Hof Krawinkel, in unmittelbarer Nähe der heutigen Kitzburg.

Nicht zuletzt ist der Kontrollweg des den ganzen Ort in etwa 2 km Länge durchziehenden Römerkanals für die Ausbildung der Siedlung als „Straßendorf“ verantwortlich. Aus diesem Kontrollweg entstand die heutige Hauptstraße, die im Mittelalter noch "Rengaß" (Rinne, Kanal) genannt wurde.

Untergliedert war das fränkische Reich in Verwaltungseinheiten, den sogenannten Gauen. Sowohl Köln-, Jülich-, Zülpich-, Eifel- und Ahr/Bonngau gehörten zu den fünf ripuarischen Gauen. Die Zuordnung Walberbergs in einzelne Gaue ist schwierig und scheint sich über die Jahrhunderte verändert zu haben. Fest steht, daß Walberberg an der Grenze zwischen Köln- und Ahr-/Bonngau liegt und überwiegend wohl zum Ahr-/Bonngau gehörte. Allerdings taucht in Urkunden auch der Gilgau auf, dessen Verwaltungsbereich als selbständiger Gau oder Teilgau des Kölngaus nicht ganz eindeutig belegbar scheint.