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Wappen von Walberberg
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Hexenturm nach der Renovierung im September 2007 / Foto: KeßlerDer Hexenturm von Walberberg

In unmittelbarer Nähe der Pfarrkirche St. Walburga steht in nordwestlicher Richtung, leicht erhöht, ein mächtiger fünfgeschossiger Rundturm. Turm und Kirche bilden das weithin sichtbare Wahrzeichen des Ortes.

Er wurde überwiegend aus Gussbetonblöcken der ehemaligen römischen Wasserleitung errichtet, mit Tuff umkleidet und schließt oben mit einem Rundstabprofil ab. Bei diesem Bauwerk, dem sog. „Hexenturm“, handelt es sich um eines der interessantesten Relikte mittelalterlicher Vergangenheit des Ortes, ja der ganzen Umgebung.

Derartige, früher mit Wassergräben umzogene Türme (Turmhügelanlagen oder Motten), entwickelten sich aus Hofsiedlungen und waren ursprünglich aus Holz.

Später ging man dazu über, insbesondere nachdem Normannen (880/81) und Ungarn (919-926) auch unseren Landstrich verwüstet hatten, solche Wehranlagen aus Stein zu erstellen. Die Errichtung eines solchen Bauwerkes war aber so kostspielig, dass dies eine königliche, kirchliche oder zumindest adelige Stellung voraussetzte und ein derartiger Turm auch Macht und Herrschaft verkörperte.

Vor allem mit Beginn der Ottonischen Zeit ging der Grundherr dazu über, sich sichtbar von seinen Untergebenen abzusetzen. In den rheinischen Dörfern lagerte man vielerorts das herrschaftliche Wohngebäude aus dem Wirtschaftshof aus, das dann als steinerner Wohnturm mit zwei oder drei Räumen übereinander neu errichtet wurde. Das neue Domizil bot nicht nur besseren Schutz, sondern zeigte auch die herausgehobene Stellung des Besitzers im Dorf. So kann man diese Turmhügelanlagen als die eigentliche Burgform des frühmittelalterlichen Feudalismus bezeichnen, aus denen sich dann vielfach die Dynastensitze, vor allem aber auch die Wasserburgen der Territorialherren entwickelten.

Aber noch immer sind grundlegende Fragen über Entstehung und Nutzung unseres Turmes ungeklärt. In der Literatur wird die Errichtung des Rundturms in die zweite Hälfte das 12. Jahrhundert datiert und als Rest einer ehemaligen Burganlage ausgewiesen. Allerdings dürfte es sich bei der ursprünglichen Gesamtanlage eher um einen (Fron-)Hof mit nahe gelegenem Wohn-/Wehrturm gehandelt haben, als um eine Burganlage im heutigen Sinne. Ferner soll eine Gräfin Alveradis, deren Herkunft noch große Rätsel aufgibt, um 1080 auf dem Turm gelebt haben. Daraus ergeben sich zwei Möglichkeiten. Entweder die Bausachverständigen irren mit dem Baujahr des Hexenturms oder es gab zuvor bereits einen anderen Wohn-/Wehrturm an vielleicht gleicher Stelle.

Verkauf  des Hexenturms durch Cönrad von Holtorp an das Kölner Domkapitel 1388 / Quelle: StadtarchivUrkundlich wird unser Turm erstmals in einer Urkunde von 1384 erwähnt, mit „Conrad, Sohn des Ritters Ulrich von Houltorp (Holtrop), wohnhaft auf dem Turm zu Walberberg“. In einer weiteren Urkunde von 1388 verkaufen der Knappe Cönrad von Holtrop und seine Gemahlin Styna den „(Fron-)Hof mit dem Thurm und Freiheit da enbinnen gelegen“, mit den dazugehörigen Besitzungen für 2500 Gulden an das Kölner Domkapitel. So war der Walberberger Turm Mittelpunkt und Träger der einstigen fränkischen Grundherrschaft, einer Salburg, die auf römischen Fundamenten aufbaut und als Dominium in den Besitz des Kölner Domkapitels gelangte. Dieses Dominium (»Herrlichkeit«) genoss Immunität, d.h. sein Bereich war losgelöst von der Gerichtsbarkeit des Gaugrafen und hatte somit ihre eigene Gerichtsbarkeit.

Den Turm hatte das Kölner Domkapitel bis zur Säkularisation im Jahre 1803 im Besitz. Wie die von Holtrops, die ihren Stammsitz nördlich von Bergheim hatten, in den Besitz des Turms und der „Herrlichkeit“ kamen, ist bis heute ungeklärt.

Die Bezeichnung Hexenturm kam erst Anfang des 19. Jahrhunderts auf und ist erstmals im Jahr 1817 belegt. Ob der Name im Zusammenhang mit dem Patronat der Heiligen Walburga steht oder lediglich den Hexengeschichten des ausgehenden 18. Jahrhunderts entstammt, bleibt offen. Auch Marketinggesichtspunkte könnten für die Namensgebung verantwortlich gewesen sein. Angeblich sollen in den alten Gemäuern Hexen eingesperrt worden sein und die Sagen und Geschichten um den ehemaligen Bergfried kamen eben verstärkt im 19. Jahrhundert auf. Nachweislich sind in Walberberg Hexenturm-um-1890aber weder Hexen noch Hexenmeister zu Schaden gekommen.

Durch die Säkularisation kamen Hexenturm, Fronhof und die umliegenden Flächen im Jahre 1807 in das Eigentum des Fronhalfen (Pächter) Franz Geuer aus Aachen. Dieser vererbte den Hof an seinen Schwiegersohn Scheeben und verkaufte den Turm 1843 an den Kölner Stadtbaumeister Weyer. Das war die Zeit der “Rheinromantik” und Johann Peter Weyer wollte den „Hexenturm“ und vier Morgen Land ringsum (ca. 1,4 ha) zu einem Ausflugsziel für Brühler, Bonner und Kölner Bürger ausbauen. In unmittelbarer Nachbarschaft befanden sich aber viele Grabhügel und Gräbern von Juden. Das Domkapital hatte den Juden aus Walberberg und der Schultheißerei Merten- Trippelsdorf gestattet, diese Fläche als Begräbnisplatz zu benutzen, ohne darüber den Juden ein Dokument auszustellen.

Weyer ließ weitere Begräbnisse nicht zu. Ferner wollte er sogar das letzte Grab entfernt haben und drohte mit Gericht. Der Bürgermeister von Sechtem hielt sich nicht für befugt, den Juden die Begräbnisse zu untersagen, weil sie dieses Recht seit undenklicher Zeit hatten und ausübten. Außerdem war Weyer beim Kauf des Geländes der Besitzstand der Juden bekannt.

Wahrscheinlich genügte der Wink eines einflussreichen jüdischen Bankiers an Weyer, seine Walberberger Glaubensbrüdern und -schwestern in Ruhe zu lassen. Weyer verkaufte bald das Flurstück mit dem heruntergekommenen Turm an den Kölner Weinhändler Christian Josef Trimborn, da der Turm als touristischer Anziehungspunkt nicht zuPfarrer Adolph Löhr 1854 / Pfarrarchiv nutzen war. Auch der bauliche Zustand des Turmes verschlechterte sich zusehends. Deshalb verkaufte Trimborn den Turm als Abbruchmaterial am 26. Februar 1857 an den Walberberger Pfarrer Adolph Löhr (1847-1862). Pfarrer Löhr wollte diesen “Schandfleck” abreißen, um mit den Steinen eine neue Kirchhofsmauer zu errichten und gleichzeitig die Behausung für rd. 200 Dohlen zu beseitigen. Das hätten sich viele Einwohner gewünscht, denn die Dohlen waren für die Landwirtschaft eine echte Plage.

König Friedrich Wilhelm IV von Preußen im Jahre 1847Als aber der kgl. Landrat Carl von Sandt (1854 bis 1888 Landrat des Landkreises Bonn) davon erfuhr, versuchte er das alte Bauwerk zu erhalten. Über die kgl. Regierung in Köln (heute: Bezirksregierung Köln) ließ er den König Friedrich Wilhelm IV. (*1795/†1861) über das Vorhaben unterrichten. Der Preußenkönig war bereit, die Mittel zur Erhaltung dieses Gemäuers bereitzustellen.

Von Sandt schloss im Namen des Königs den Kaufvertrag am 09.09.1858 mit Pfarrer Löhr. Dieser Vertrag beinhaltete den Erwerb des Hexenturms mit einer dazugehörenden Grundfläche von 25 Ruten (ca. 350 m²) und einem zuführenden Weg (10 m x 87 m) für den Kaufpreis von 180 Talern.

Seine kupferne Dachkuppel wurde dem Turm während der Renovierungsarbeiten im Jahre 1927 aufgesetzt. Aber der Zahn der Zeit nagt weiterhin an unserem rund 850 Jahre alten Wahrzeichen. Trotz der sehr robusten Bauweise war ein größerer Riss im Mauerwerk aufgetreten und auch der Außenputz drohte stellenweise abzuplatzen. Deshalb wurde der seit 1984 unter Denkmalschutz stehende Rundturm - noch heute im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen, als Rechtsnachfolger von Preußen - im Jahre 2006 aufwendig renoviert und bautechnisch gesichert. Von Seiten der Bezirksregierung Köln wurden hierfür rd. 120.000 EUR zur Verfügung gestellt.

Nach Abschluss der umfangreichen Restaurierungsarbeiten erstrahlt der Hexenturm in neuem Glanz und wird hoffentlich noch vielen Generationen an die bewegte Vergangenheit von Walberberg erinnern und interessierten Mitbürgerinnen und Mitbürgern Einblicke innerhalb seiner wehrhaften Mauern gestatten!