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Wappen von Walberberg
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Kunstwerke im sakralen Raum
Die Kirchenglocken von Walberberg

Schreiben der Gemeinde Walberberg an Erzbischof Clemens August I. von 1745 - zum Lesen bitte anklicken!

Die MARIEN-Glocke
Glockennummer: n.b.

Schlagton (Nominal): es’ -1
Durchmesser: 1.320 mm
Höhe (ohne Krone): 1.250 mm
Gewicht: 1.450 kg

Gießer: Martinus Legros (*1714/†1789), Malmedy
Material: Bronze
Gussort: Walberberg
gegossen: 1745
Glockenweihe/Erstgeläut: 1745

Inschrift (über drei Zeilen - \\=Zeilensprung)

GOTT VATTER SOHN VND H: GEIST WOLLEN DIESEN KLOCKENKLANG SEGNEN ALERMEIST S: MARIA S: WALBVRGIS
S: JODOCVS HEISCHEN ICH ZVM KIRCHEN GEHEN RVFFE \ \
ICH  ALLE  BOSE  GESPENSTER  VERTREIBE  ICH  DIESES  IST  BEKANDT  DRVMB  BESVCHT  MICH  DAS  VMB  LIGENDE LAND  DVRCH  CHVR = COLLEN  CLEMENS  AVGVST  VND  \ \
JOSEPH WILLHEM FVGER GRAFF VON KIRCHBERG AMBTHERREN ZV WALBERBERG & & GENIESSEN THVEN SIE MICH GIESSEN ANNO  J 7 4 5
                                                                            ..
IOANNES SCHORN SCHOFFEN   GODSCHALCK PVZ CHEFFEN
MARTINVS LEGROS ME FECIT
(Übersetzt: MARTIN LEGROS FERTIGTE MICH)

 

Verzierung: Die Zeilen werden von vier Stegen umrahmt. Über und unter den drei Inschriftzeilen umläuft die Glocke ein Rokokofries mit sich wiederholenden Formen. Am Wolm sind drei und am Schlagring der Glocke weitere zwei Stege, die die Glocke umlaufen.

 

 

Symbol/Bildnis: Ein auf einem großen Sockel stehendes ornamentales Kruzifix im Stil des Rokoko. Am Fuße des Kreuzesstammes sieht man links und rechts jeweils die Darstellung eines Salbeiblattes. Die als Verzierung aufgesetzten Salbeiblätter wurden von Glockengießern verwendet, um die feine Gießkunst zu beweisen. Denn nur bei feinster Gießtechnik wurde auch das filigrane Aderwerk der Blätter abgebildet.

Bemerkung/Besonderheit: Diese Glocke war ein Frühwerk des 31jährigen Glockengießers und später hochberühmten Meisters Martin Legros, der im Rheinland sehr viele Glocken gegossen hatte. Er war als Wallone der Kölner Schmiedezunft ein Dorn im Auge. Sie versuchten mit allen Mitteln, Legros das Gießen von Glocken im Kölner Land verbieten zu lassen. Zum Glück ohne Erfolg!

Die Anfangsbuchstaben der Worte SOHN und JODOCUS bzw. JOSEPH in den oberen Inschriftzeilen sind im Vergleich zu allen anderen Majuskeln (Großbuchstaben) leicht verkleinert. Es bietet sich hier die Interpretationsmöglichkeit, eine aus den beiden verkleinerten Buchstaben sich ergebende Abkürzung SJ herauszulesen, welche Societas Jesu (Gesellschaft Jesu) bedeuten könnte. Zu jener Zeit war die Gesellschaft Jesu in Walberberg ansässig und betrieb das ehemalige Zisterzienserkloster, das sie 1591 übernommen hatten.

 

Mit den nebenstehenden Brief wurde auch der Erzbischof Clemens August I zur Glockenweihe eingeladen:

Hochwürdigst = durchlauchtigster Churfürst
gnädigster Herr !

Was euere churfürstliche Durchlaucht für ein sonderbahre andacht zu der heiligen Walburgis tragen, ein solches haben höchstdieselbe genugsamb an den Tag geben durch die mehrmalige besuchung und öffentlicher Verehrung ihrer reliquien dahier auf dem berg, der von dieser heiliger der nahmen führet; Und haben euere Churfürstliche Durchlaucht dessen eine neue prob gegeben, da höchstdieselbe auf unser unterthänigst demütigstes suppliciren uns eine Beysteür zu der, zu ehren der heiligen Walburgis zu gießen vorhabender Klocken, gnädigst geantwortet: wir sollten fortfahren, Höchstdieselbe wollten unßer gnädigst eingedenk seyn.

Da nun sothaneKlock, gott seye Dank, glücklich verfertiget, und wir aus schüldigst-unterthänigster dankbarkeith euerer churfürstlichen Durchlaucht höchster Nahmen daraufgießen lassen, so gelanget an höchstdieselbe unsere unterthänigst demütigste bitte, Euere Churfürstliche Durchlaucht wollen gnädigst geruhen, zu ehren der heiligen Walburgis, von der ihr zu ehren gegossener Klocken der Taufpätter abzugeben, welche Taufzeremonien hoffentlich künftige Woche dahier zu Walberberg werden vor sich gehen.

Diese höchste gnade werden wir, so oft sothane Klock wird geläutet werden, mit unserem allgemeinen gebett für Euer Churfürstliche Durchlaucht langwierig glückliche regierung und höchstes wohlseyn unterthänigst darkbahrist zu erkennen nicht ermangeln.

Euerer Churfürstl. (…?)                                                Darüber

             Unterthänigste             
Scheffen, Vorsteher und sämpdliche
gemeinde auf dem berg der heiligen
Walburgis.    
           

Ob der Kurfürst der Bitte der Gemeinde gefolgt ist, ist leider nicht überliefert.

 Eine detaillierte Beschreibung der MARIEN-Glocke
mit weiteren Informationen finden Sie hier ...  Weitere Infos finden Sie hier ...

Einladungsschreiben der Gemeinde Walberberg an den Kölner Erzbischof und Kurfürsten Clemens August I. von 1745, verbunden mit der Bitte, die Weihe der neuen Glocke vorzunehmen.
                                         Slg. FHW/Pfarrarchiv