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Die Walberberger Pfingstkirmes

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Die Walberberger Pfingstkirmes
Die Pfingstkirmes und ihre rund 350-jährige Geschichte

Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, ist seit rd. 400 Jahren in Walberberg auch ein Fest für die hl. Walburga und sie brachte den Menschen die Kirmes nach Walberberg. Wann es erstmals eine Pfingstkirmes im Ort gab, ist heute nicht mehr feststellbar.

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Abb. 1: Das “Außem-Kreuz” in Brühl, das allgem. als “Geildorfer Kreuz be- zeichnet wird (ca.1960)  Slg. FHW/StAB

Nach Übernahme des Walberberger Klosters durch die Jesuiten im Jahre 1591, übertrugen diese die Reliquien der hl. Walburga nach Köln. Es wurde den Walberbergern gestattet, die Reliquien jeweils zu Pfingsten in ihre Pfarrkirche zurückzuholen. Hierbei fanden sich zur Verehrung der Heiligen jährlich weit über tausend Pilger aus Walberberg und den umliegenden Dörfern ein. Als dann 1773 der Orden aufgelöst worden war, erhielten die Walberberger ihre Reliquien wieder zugesprochen. An der Prozession zum “Gildorper Cruitz” wird bis heute festgehalten. Und so waren es auch die vielen Pilger, die über die Jahre auch Gaukler, Händler und Schausteller nach Walberberg lockten, die auf ein gutes Geschäft hofften. Daraus hat sich allmählich die Walberberger Großkirmes entwickelt, die früher zu den größten im gesamten Vorgebirge zählte und noch in den 1980er Jahren ein echter Publikumsmagnet war.

 

Kirmes im 19. Jahrhundert

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Kirmes am Pfingstmontag und dehnte sich zeitweise über die ganze Woche aus. Bis in die 1880er Jahre gab es neben den diversen Tanzveranstaltungen, die besonders die jungen Leute in die vielen Wirtshäuser zogen, einen Krammarkt. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen allmählich mehr Würfel- und Schießbuden, Schaukeln und Karussells ins Dorf und verdrängten langsam die Haushaltswaren- und Bekleidungshändler. Die Buden standen auf dem "Krambudenplatz", der Dorfstraße bis zum Gasthof von Anton Cremer und die Kirchstraße hinauf bis zum Kirchplatz. Die Kirchstraße (heute: Walburgisstraße) war offensichtlich sehr begehrt, denn hier mussten die Budenbetreiber Ende der 1880er Jahre 20 Pfg. für den Quadratmeter Verkaufsfläche zahlen, während dieser nur 15 Pfg. im Rest des Dorfes kostete.

Der älteste Ratsbeschluss für die Walberberger Kirmes stammt aus 1847. Der Walberberger Gemeinderat beschließt die "Erhebung einer Standgebühr für jede Bude am Kirmestag (Pfingstmontag), an dem sich auch viel auswärtiges Volk wegen der Wallfahrt im Dorf befindet". Die Standgebühren sollten der Gemeinde jährlich sechs Taler einbringen. Der Gemeinderat rechnete wohl mit rd. 35-40 Verkaufsständen auf der Pfingstkirmes, da die übliche Gebühr für einen einfachen Verkaufsstand bei vier bis fünf Silbergroschen lag.

Und es ging in Walberberg auf der Pfingstkirmes immer hoch her, wie auch viele ältere Mitbürger noch aus den Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern zu berichten wissen. Man feierte sehr ausgelassen und so kam es auch zu teilweisen derben Auseinandersetzungen. Dass dies offensichtlich die Regel war, kann man auch einem polizeilichen Protokoll zur Pfingstkirmes von 1885 entnehmen. Hier wird aus- drücklich erwähnt, dass "die Kirmes in Walberberg, die früher vielfach mit Schlägereien verbunden war …", in diesem Jahr ohne nennenswerte Vorfälle verlaufen sei.

 

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Abb. 2: Lithographiekarte “Jahrmarkt anno 2000 - GRUSS v.d. Walberberger Kirmes um 1900. So stellte man sich vor 110 Jahren eine Kirmes im Jahr 2000 vor. Frauen-Power pur!       Slg. FHW/Wienand

Kirmes im 20. Jahrhundert

Auch die öffentlichen Verkehrsmittel leisteten ihren Beitrag, um mit dem zunehmenden Besucherstrom fertig zu werden. So setzten die Cöln-Bonner Kreisbahnen (CBK), die 1898 die Vorgebirgsbahn (Köln-Brühl-Bonn) eröffnet hatten, im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zunehmend Sonderzüge an den Pfingsttagen ein. So steht im Dispositionsplan für den 30./31. Mai 1909: "Zur Bewältigung des Verkehrs werden auf der Vorgebirgsbahn alle Züge verstärkt. Die Wälder des Vorgebirges und die berühmte Pfingstkirmes in Walberberg üben ihre Anziehungskraft aus und spiegeln sich in einem sehr starken Verkehr wider. Durch die zahlreichen Sonntagszüge, die an beiden Festtagen verstärkt fahren, wird dem Verkehr Rechnung getragen. Für die Rückfahrt werden Sonderzüge, die bei Bedarf in der Regel kurz nach den fahrplanmäßigen Zügen abgefertigt werden, bereitgestellt."

Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges verlor auch die Walberberger Pfingstkirmes an Bedeutung.

1920 wurde aber den zehn Gastwirten in Walberberg wieder gestattet, an den 3 Kirmestagen Tanzmusik zu spielen, was sicherlich von der Bevölkerung in und um Walberberg nach dem Ende des Krieges mit Freude aufgenommen wurde, und 1925 waren wieder allein 59 Buden und sonstige Attraktionen an den drei Kirmestagen vertreten.

So herrschte auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zwei Wochen vor Pfingsten reges Treiben im Ort, um das Dorf für die anstehenden Pfingsttage ansehnlich herzurichten und gebührend herauszuputzen. Es gab auch zur Feier der Kirmes einen Kirmesbraten, und beim Bäcker erhielt man einen riesigen Wecken aus Grießmehl, den es früher in dieser Form nur zur Kirmes gab! Im Lauf des Montags kamen die Verwandten aus den umliegenden Dörfern, wie es schon seit Jahrhunderten zu Pfingsten Brauch war. Man traf sich in geselliger Runde, genoss   die   Blütenpracht   des Vorgebirges und die Kirmesvergnügungen. Die Kinder bekamen von den Besuchern Groschen zugesteckt und freuten sich über das viele Geld, konnte man doch für fünf Pfennige schon Karussell fahren.

Nach dem Hochamt am Pfingstmontag begann die Kirmes, auf die viele, insbesondere die Kinder, gewartet hatten. Ab den 1920er Jahren zog sich die Kirmesmeile etwa vom heutigen Feuerwehrhaus aus, entlang der Hauptstraße, bis über die Kreuzung mit der Walburgisstraße. Auf den damals freien Flächen zwischen den Häusern standen Kinder- und Kettenkarussell, Raupe, Riesenrad und Schiffschaukel für die Kleinen und die Großen erfreuten sich an der Budenstadt und den Tanzveranstaltungen, die in allen Sälen des Ortes stattfanden. Der Zulauf soll nach Aussagen von Kirmesteilnehmern teilweise so groß gewesen sein, das sich die Menschenmenge dicht gedrängt über die Hauptstraße schob.

Abb. 4: Der Box-Trainer aus den USA. In den 1950er Jahren nicht nur für die Kleinen eine echte Heraus- forderung           Foto: Slg. FHW/StAB

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Abb. 3: Die Überschlagsschaukel, eine der Hauptattraktionen bei den Damen in den 1950er Jahren.  
                         Foto: Slg. FHW/StAB

Auch der Zweite Weltkrieg machte dem regen Treiben ein abruptes Ende. Aber bereits in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts knüpfte die Pfingstkirmes, mit dem Früh-schoppen nach dem Hochamt wieder an die alten Traditionen an. Wahre "Völkerscharen" sollen die Großkirmes von Montag bis Mittwoch besucht und sich an den vielen Buden, Glücks- und Schießhallen, Karussells, Überschlagschaukel und "Autoselbstfahrer" erfreut haben. Tanzvergnügen war am Abend wieder heiß begehrt und so regierten die Vereine in den Walberberger Tanzsälen und organisierten die gut besuchten Kirmesbälle.

 

So waren es auch die Vereinsvorstände, die ab 1964 darum ersuchten, die Kirmes doch bereits am Sonntag starten zu lassen, sehr zum Unmut von Pfarrer Wagner! Nach anfänglichem Sträuben wurde den Kirmesorganisatoren gestattet, die Pfingstkirmes bereits am Pfingstsonntag beginnen und am Dienstag enden zu lassen. Doch langsam schwand das Interesse der Menschen an der Kirmes.

Zwar konnten sich die Attraktionen noch bis Anfang der 1990er Jahre sehen lassen und auch der Besucherzustrom war noch ganz in Ordnung, aber der Glanz der letzten 100 Jahre wollte nicht mehr so recht aufkommen. Schließlich blieben mit dem Jahrtausendwechsel und den immer geringer werdenden Besucherzahlen auch zusehends die Buden- und Fahrgeschäftebetreiber weg und die Kirmes bot nur noch ein trauriges Bild.

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Abb. 5: Reges Treiben auf dem Kirmesplatz, das bei vielen älteren Teilnehmern Erinnerungen an die Zeiten vor 20/30 Jahren weckte. Foto: FHW/Keßler

Kirmes im 21. Jahrhundert

Seit einigen Jahren bemühen sich die Vereinsgemeinschaft und unser Ortsvorsteher Engelbert Wirtz darum, die Pfingstkirmes zu reaktivieren.
In 2009 hatte die IG Oldtimer-Schlepper-Freunde Walberberg mit Unterstützung des Förderkreises am Pfingstsonntag die "1. Oldtimer-Schlepper-Schau mit großem Korso der historischen Traktoren durch Walberberg" mit überragendem Erfolg ins Leben gerufen.

2010 wurde noch eine Schüppe nachgelegt. Neben der Schlepperschau und dem 50-Meter-Aussichtskran wurden noch weitere Attraktionen geboten. So gab es mehrere Schaudresch-Aktionen und Kutschfahrten durch Walberberg. Außerdem spielte am Nachmittag des Pfingstsonntages die Räucherband live auf dem Kirmesplatz. Für alle Freunde der alten Technik wurde viel geboten. Allein 185 historische Fahrzeuge konnten am Pfingstsonntag im Walberberger Ortskern um dem Dorfplatz gestaunt werden.

Der Höhepunkt war wieder der große Korso mit den historischen Fahrzeugen, der sich mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit von rd. 6 km/h auf der gut 5 km langen Strecke durch den Ort schlängelte. Das hatte schon fast das Flair von Monte Carlo. Unser "Monte Walburgis"-Grand Prix wurde natürlich auch mit einer Siegerehrung beendet.

Auch im nächsten Jahr wird es am Pfingstsonntag (12.06.2011) wieder eine große Oldtimer- und Schlepper-Schau gegen. Merken Sie sich den Termin vor und kommen Sie mit der ganzen Familie zu Walberberger Großkirmes, denn es wird für jeden etwas geboten.

Quellen: Stadtarchiv Bornheim (Akten Bgm. Sechtem/Slg. Zerlett); Sammlung Oster; Archiv FHW