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Wappen von Walberberg
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Rheindorfer Burg / Foto: KeßlerDie Rheindorfer Burg

Der Ursprung des Names der am nördlichen Ende von Walberberg liegenden Rheindorfer Burg, ist nicht eindeutig zu klären.

Hier gibt es verschiedene Ansätze:
Der offensichtlichste und wahrscheinlich aber auch unsinnigste Ansatz, ist die Annahme, dass der Name mit dem in 5 km Luftlinie entfernten Rhein zu tun habe. Auch die Übernahme der Burgbezeichnung vom fränkischen Namen „Rincho“ (Ringo, Rinco) wäre denkbar. Allerdings ist ein Sippenoberhaupt oder Grundherr diesen Namens in Verbindung mit der Siedlung oder der Burg nicht bekannt. Fundiert und belegt ist hingegen der Römerkanal, der Walberberg in einer Länge von rund 2 km durchzieht und in früheren Jahrhunderten als "Ren" (Rinne) bezeichnet wurde. Noch in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Walberberger Hauptstraße als "Rennjass" und Rheindorf mit "Rendorff, nunc Reindorf" benannt.

Der älteste Teil der Burganlage ist der Turm, der eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Hexenturm aufweist. Beide sind voraussichtlich im 11/12. Jahrhundert errichtet worden.

Rheindorfer Burg Innenhof um 1920 / Kath. Pfarrarchiv WalberbergAuf der alten Grenze des Köln- und Bonn-/Ahrgaues gelegen, kam der Rheindorfer Burg sicherlich auch eine größere strategische Bedeutung zu.

Die Anfänge der Burganlage liegen weiterhin im Dunkel der Geschichte begraben, da kaum schriftliche Aufzeichnungen aus dieser Zeit erhalten sind. Aus 1140 ist die erste urkundliche Erwähnung der Burg dokumentiert. Ein Christian von Rinchedorp, seines Zeichens Dienstmann des Grafen und späteren Domvogtes Adolf von Saffenberg. Wahrscheinlich waren die Saffenberger bereits zu dieser Zeit nicht nur die die Lehnsherren von Berch (Walberberg), sondern auch die Verantwortlichen in Rheindorf. In der Folgezeit wird dieses Lehnsrecht laufend dokumentiert und soll noch bis ins Jahr 1683 bestanden haben, obwohl die Gaugrafen längst nicht mehr das Sagen hatten sondern lediglich noch Vögte des Kölner Domkapitels waren.

Jesuiten-Wellmoht um 1930 /  Kath. Pfarrarchiv WalberbergDie Burg hatte viele Besitzer und ist durch etliche kirchliche und weltliche Hände gegangen. Hier nur einige Eigentümerwechsel:

  1. 1384 verkauft der Ritter Walraven von Baer die Burg an Friedrich von Wevelkoven.
  2. 1433 verkauft Wilhelm, Herr zu Wevelinghoven und Alfter das Anwesen an seinen Neffen Phillipp, Junggrafen zu Virneburg und Herr zu Saffenberg. Dieser belehnt damit Lutter Quad, der mit Elisabeth von Saffenberg verheiratet ist.
  3. 1683 kaufen die Jesuiten den „freiadligen Haus und Rittersitz“, in dem die Herren von Quad über 250 Jahre ihren Sitz hatten.
  4. 1924 erwerben die Dominikaner die Rheindorfer Burg / ab 1926: Ausbau der Burg zum Studienhaus des Ordens.

Entkernung der Rheindorfer Burg um 1925 / Kath. Pfarrarchiv WalberbergDie Rheindorfer Burg wurde 1925/26 nahezu vollständig entkernt und lediglich die Außenmauern blieben stehen. Das Objekt erhielt beim Neuauf-/ausbau eine zusätzliche Etage und wurde über die Jahre in zwei weiteren Ausbaustufen auf die heutige Größe erweitert und auf die jeweiligen Gegebenheiten angepasst. Insbesondere mit der Schaffung der Räumlichkeiten für die neue Bibliothek, in der zuletzt fast 156.000 Bücher eine sichere Bleibe fanden, hatte das Dominikanerkloster seine größte räumliche Ausdehnung erreicht.

 ...übrigens: Vom 30.06. bis 02.07.1945 wurden in den Räumlichkeiten des Dominikanerklosters die sog. „Kölner Leitsätze“ formuliert, die die Basis für das erste Parteiprogramm der CDU Deutschlands darstellten.

Das bundesweit für seine Bildungsarbeit geschätzte Domini- kanerkloster wurde am 31. Dezember 2007 kirchenrechtlich aufgehoben und der letzte Gottesdienst am 25.11.2007 in der Klosterkirche  gefeiert.

Dominikanerkloster - Luftbildaufnahme Ansicht um 1980 / Kath. Pfarrarchiv WalberbergDie bedeutende Bibliothek des Klosters, mit den wertvollen Handschriften und Inkunabeln (Schriften aus der Frühzeit des Buchdrucks bis Ende des 15. Jh.), fand als Dauerleihgabe in der Erzbischöflichen Diözesan- und Dombibliothek in Köln eine neue Bleibe. Die Tagungsstätte war bereits in Jahre 2005 geschlossen worden. Die 10 zuletzt noch im Kloster lebenden Patres haben in anderen Klöstern des Ordens eine neue Heimat finden.

Die Schließung des Dominikanerklosters ist ein herber Verlust für Walberberg und das Kölner Erzbistum. Aber auch die weitere Nutzung der zum Teil unter Denkmalschutz stehenden Objekte war lange Zeit ungewiss. Nach langjährigen Verhandlungen wurde nun auch ein Übernehmer für den ehemaligen Klosterkomplex gefunden. Die Dominikanerprovinz Teutonia, als Rechtsträger des Walberberger Dominikanerklosters, verkaufte das Areal an die Summit Healthcare Management Partners GmbH mit Sitz in Köln, die Einrichtungen im Bereich Betreutes Wohnen, Pflege, Hotel und Gastronomie unterhalten. Die Übergabe erfolgt zum 1. März 2008. Laut dem Nutzungskonzept des neuen Eigentümers werden die denkmalgeschützten Gebäude und die Klosterkirche äußerlich unverändert erhalten und auch weiter genutzt.

Die Presseerklärung vom 14.02.2008 finden Sie hier!

Eine über 80 Jahre währende Ära hat ihr Ende gefunden. Über die Geschichte der Rheindorfer Burg, vom mittelalterlichen Herrensitz zum Dominikanerkloster, hat der Verein eine Broschüre herausgegeben.