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Wappen von Walberberg
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Pfarrkirche St. Walburga Walberberg / Foto: KeßlerDie Pfarrkirche
St. Walburga
von Walberberg

Bereits im 8. Jahrhundert bekam Walberberg, damals noch als Berg (auch Berch oder Berghe) bezeichnet,  eine steinerne Kirche, obwohl zu dieser Zeit die Sakralbauten in den ländlichen Regionen überwiegend aus Holz errichtet wurden. Wahrscheinlich handelte es sich bei dem ersten Bauwerk um eine Eigenkirche einer fränkischen Grundherrschaft. Eine genauere Datierung  der Errichtung des Bauwerks ist leider nicht möglich, lediglich der Abriß der Saalkirche kann aufgrund der Schuttfunde auf das frühe 11. Jahrhundert eingegrenzt werden.

Die erste Erweiterung erfolgte im 9. Jahrhundert mit dem Anbau eines rechteckigen Chorraums. Pfarrkirche - Ottonische Malereien / Foto: KeßlerUm 1020 beginnt der Ausbau der alten Saalkirche zu einer flachgedeckten Basilika mit den beiden Annexkappellen. Bauherr der zweiten Eigenkirche war wahrscheinlich der Vater  der  nachfolgend  hier residierenden Gräfin Alveradis. Aus dieser Zeit sind Bemalungen auf der Südseite der Kirche bis heute in den alten Fensterlaibungen erhalten und zu besichtigen.

Wahrscheinlich auf Veranlassung von Erzbischof Anno II. (1056-1075), der ein großer Verehrer der hl. Walburga (*710/†779) war, wurden Reliquien von ihr im Jahre 1069 vom Kloster Eihstat (Eichstätt) im Altmühltal nach Berch im rheinischen Vorgebirge überführt. Hierbei soll es sich um einen Teil der Hirnschale und die sechs Stücke des Wanderstabes gehandelt haben.

Der Ortsname Walberberg, als »mons sanctae walburgis«, wurde erstmals im Jahre 1118 urkundlich erwähnt, aber es ist davon auszugehen, daß mit der Überführung der Reliquien auch die Ansiedlung als “Berg der heiligen Walburga” bezeichnet wurde und somit bereits früher eine Namensänderung stattgefunden hat. »Mons sanctae walburgis« wird durch diese Reliquien zum Wallfahrtsort zu Ehren der angelsächsischen Benediktinernonne, die vor allem im süddeutschen Raum als Missionarin gewirkt hatte. 

Pfarr- und Klosterkirche als Teil des Jodokusbildes im Pfarraum / Foto: KeßlerDer Grund für die Überführung dieser Reliquien ist nicht bekannt. Wahrscheinlich war eine großzügige Schenkung der Gräfin Alveradis an diesem “Umzug” nicht ganz unbeteiligt. In dieser Kirche wurden bereits Vater und Sohn der Gräfin beigesetzt und auch sie wollte hier ihre letzte Ruhestätte finden. Deshalb hatte sie große Teile ihres Vermögens der Kirche von Walberberg übertragen, damit hier drei Kleriker an der Familiengrabstätte den Gottesdienst abhalten. Diese wirkten ab 1167 und lebten nach den Regeln des hl. Augustinus.

1190 vergrößerte Erzbischof Philipp von Heinsberg diesen “Conventus clericorum” (Augustinerchorherren), der aber bald wieder aufgegeben wurde, “da es nicht recht gedeihen wollte”. 1197 kamen Zisterziensernonnen aus Hoven bei Zülpich nach Walberberg und die Kirche wurde nach allen Seiten vergrößert. Am Ende des südlichen Seitenschiffs wurde die zweigeschossige Jodokuskapelle errichtet. Das Zisterzienserinnenkloster widmete man  1447 in ein Zisterzienserpriorat um und 1591 erwarb das Kölner Jesuitenkolleg das Kloster. Der vorhandene, für Zisterzienserkirchen typische kleine Dachreiter wurde durch einen mächtigen Turm aus Eichenbalken ersetzt. In dieser Zeit erhielt die Kirche dann auch ihre barocke Ausstattung.

Pfarrkirche - SW-Ansicht mit verschiefertem Eichenbalkenturm der Jesuiten  vor 1945 / Foto: PfarrarchivGegen Ende des 2. Weltkrieges wird der Kirchturm von einer Brandbombe getroffen und stürzt auf die Kirche. Diese brennt mit samt ihrem Inventar völlig aus. Die Reliquien und weitere gerettete Schätze werden am 25.02.1945 vorübergehend in die Klosterkirche der Dominikaner überführt. Bis 1952 konnte die Kirche aber wieder aufgebaut werden und erhielt 1962 einen neuen, neben der Kirche stehenden Turm. Zusammen mit dem Hexenturm bilden diese beiden Bauwerke das weithin sichtbare Wahrzeichen von Walberberg.

Von 1981 bis 1988 wurde eine umfassende Renovierung der Kirche durchgeführt, um die Standfestigkeit des Bauwerkes zu sichern und die Baumängel des Wiederaufbaus zu beseitigen. Dabei erhielt sie  ihre heutige Gestalt. Die romanische, tonnengewölbte Kirche ist in der Bauform ausgeführt worden, den sie bereits im 13. Jahrhundert hatte, als dreischiffige Pfeilerbasilika mit quadratischem Chorhaus und halbrund geschlossener Apsis.

Das älteste Abbild von Walberberg, auf dem auch die Kirche gut sichtbar ist, finden wir an der linken Seite des Altarraums. Es ist ein Ölgemälde, das den hl. Jodokus vor dem historischen Ortsbild von Walberberg zeigt. Dieses Gemälde konnte im Jahre 1944 vor den Flammen gerettet werden.Epitaph der Äbtissin Margareta, 1. Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters in Walberberg

 

Romanischer, pokalförmiger Taufstein auf sechs schlanken Säulen / Foto: KeßlerDa die Saalkirche laut den  Funden der Ausgrabungen aus dem 8. Jh. stammen dürfte und die zu Ehren des hl. Jodokus errichtete Kapelle ein Anbau an die 2. Saalkirche aus dem frühen 11. Jh. war,  so ist der hl. Jodokus wohl nicht der erste Patron der ursprünglichen Saalkirche gewesen. Somit gab es wahrscheinlich auch keine Verdrängung des Jodokus durch den Kult um die hl. Walburga. Seit wann der hl. Jodokus in Walberberg verehrt wird, bleibt weiter ungewiß. Erst durch die Errichtung der zweige- schossigen Kapelle im frühen 13. Jahrhundert wird diese nachweisbar.

Neben den 18 bildlichen Darstellungen von Szenen aus dem alten Testament befinden sich in der Kirche noch weitere Kostbarkeiten.

Dies sind neben den Reliquien der Heiligen Walburga noch weitere historische Schätze:

  1. Romanischer, pokalförmiger Taufstein auf sechs schlanken Säulen (ca. 13. Jh.)
  2. Epitaph der Äbtissin Margareta, 1. Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters in Walberberg (um 1224)
  3. Gotisches Kreuz (um 1500)
  4. Gotische Madonna mit Kind
  5. Figur der Heiligen Walburga in der Jodokuskapelle (um 1700)