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Wappen von Walberberg
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Walberberg und die Zisterzienserinnen

Vorgeschichte

Männer wie der Benediktinerabt Robert von Molesme (*1028 /†1111) fühlten sich abgestoßen von der zunehmend lässigen Lebensweise der Benediktiner und beklagten offen den Mangel an Armut und Einfachheit. So gründete der siebzigjährige vor 910 Jahren südlich von Dijon mit gut 20 reformwilligen Mitbrüdern das neue Kloster Cîteaux (lat. Cistercium), von dem sich später der Name "Zisterzienser" ableitet. Sie schufen eine asketisch lebende Gemeinschaft, die zur strengen benediktinischen Regel »ora, labora et studia« (Bete, arbeite und studiere) zurückkehrte.

Doch auch Cîteaux wäre letztlich nur eines von vielen unbedeutenden Reformklöstern der damaligen Zeit geblieben, wenn nicht ein junger burgundischer Adeliger um Aufnahme in das Kloster gebeten hätte. 1113 trat Bernard de Fontaine mit ca. 30 Verwandten und Freunden in das 1098 neu gegründete Kloster Cîteaux ein. Bereits 1115 wurde er ausgesandt, um in der westlichen Champagne das Kloster Clairvaux zu gründen, dessen erster Abt er wurde. Dieser Mann geht als Bernhard von Clairvaux, einem der bedeutendsten Zisterzienser und Heiligen seiner Zeit, in die Geschichtsbücher ein und durch ihn kam es zu einem ungeahnter Aufschwung und die Zisterzienser und Zisterzienserinnen gründeten europaweit ihre Klöster. So auch in Walberberg!

Abbildung von Adolf I. von Altena als Erzbischof von Köln mit Krummstab und Lehnsfahne auf einem Kölner Pfennig um 1200
Die frühen Jahre

Im Jahr 1197 wurde, auf maßgebliche Initiative des Kölner Erzbischofs Adolf I., das Nonnenkloster Walberberg gegründet und mit Zisterzienserinnen aus Hoven bei Zülpich besiedelt und unmittelbar dem Kloster Clairvaux unterstellt. Die Nonnen bezogen Räumlichkeiten südlich der Pfarrkirche. Diese wurden zuvor von einem Regularkanonikerkonvent genutzt, der aber nicht recht gedeihen wollte.

Der Abt von Clairvaux nahm seine Aufsichtsrechte selbst wahr oder delegierte sie an Beauftragte in der Region, wie die Äbte von Himmerod, Eberbach oder Heisterbach, deren Klöster zur Filiationsreihe (Folge von Töchterklöstern) von Clairvaux gehörten. So kam es, dass der Abt Heinrich von Heisterbach, der um 1180 als Heinrich von Berge in Walberberg geboren wurde, zusammen mit Caesarius von Heisterbach öfters die Visitationen im Zisterzienserinnenkloster in Walberberg vornahm.

Häufig kam es zum Wechsel an der Klosterspitze. Mit Ausnahme der ersten Klostervorsteherin, der Äbtissin Margarete, die 27 Jahre das Kloster führte und deren Epitaph in der Pfarrkirche St. Walburgis ausgestellt ist, hatten die Oberinnen das Äbtissinnenamt jeweils nur für wenige Jahre inne.

Von Walberberg aus wurden 1232 acht Zisterzienserinnen nach Lilienthal entsandt, um dort - östlich von Bremen - ein Tochterkloster zu gründen. Auch bei dem 1235 gegründeten Nonnenkloster in Drolshagen im Sauerland könnte es sich um ein Tochterkloster Walberbergs handeln.


Die Entwicklung des Klosters

Schon bald nach ihrem Einzug in Walberberg begann eine rege Bautätigkeit. Nach der Anfertigung einer Nonnenempore in der Walberberger Pfarrkirche wurden die Jodokus-Kapelle und der Chor der Kirche neu errichtet. Die älteste bekannte Abbildung des Klosterkomplexes ist auf dem Jodokusbild in der Pfarrkirche zu sehen.

Außerhalb des Ordens beschränkten sich die Walberberger Kontakte zu anderen Klöstern meist auf wirtschaftliche Belange.
Vielfältig und intensiv waren hingegen die Beziehungen zu den Einwohnern der Stadt Köln. Sie schickten nicht nur ihre Töchter in das Kloster, sondern bedachten es in ihren Testamenten und förderten es durch Stiftungen. So hatte das Kloster Walberberg über die Jahre umfangreichen Immobilienbesitz in Köln erhalten.

Auch gute Kontakte zum Adel sind belegt. Neben dem Grafenpaar Mechthild und Heinrich III. von Sayn ließen auch die Herren von Saffenberg und Angehörige des niederen Adels ihre Gedenkgottes- dienste in Walberberg feiern.

Der Anfang vom Ende

Im 15. Jahrhundert setzte - nicht nur in Walberberg - der wirtschaftliche Niedergang des Klosters ein, da die Einkünfte nicht ausreichten, um die Ausgaben für den Bedarf der Nonnen und die Bezahlung der Lohnarbeiter zu decken. Spätestens 1447 wurde das Zisterzienserinnenkloster Walberberg auf Veranlassung des Kölner Erzbischofs Dietrich von Moers geschlossen. Von Ordensseite wurde im Jahre 1452 offiziell die Umwandlung in ein Priorat beschlossen. An die Stelle der Zisterzienserinnen rückten Heisterbacher Mönche.

… und dann kamen die Jesuiten, aber das ist eine andere Geschichte!
 


 

(Quellen: Uta Garbisch: Das Zisterzienserinnenkloster Walberberg 1197-1447 u.a.)

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung vom 16.04.2008 hatte Frau Dr. Uta Garbisch, Sprecherin des Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel, in der Aula der Thomas-von-Quentel-Schule über die Geschichte der Zisterzienserinnen in Walberberg referieren und den vielen interessierten Zuhörern einen anschaulichen Einblick in das Nonnenkloster im spätmittelalterlichen Walberberg gewähren. Auch in der  1. Ausgabe der “Berjer Depesche” sind die Nonnen das Titelthema.