
Der Walberberger Rosenmontagszug
Es ist immer der besondere Höhepunkt jeder Karnevalssession, der „Berje Ruusemondachszoch“!
Der Karneval wird, wie im gesamten Rheinland, auch in Walberberg bereits sehr lange gefeiert. Wann es allerdings in der Fasteloovendsbastion Walberberg den ersten ”Bäreje Zoch” mit Gruppen und/oder Wagen gegeben hat, ist nicht eindeutig.
Die einen sprechen von den 1930er Jahren, in denen sich der erste Karnevalstross durch unseren Ort gezogen hat. Nach anderen, bisher leider nicht bestätigten Quellen, soll sich bereits 1873 ein närrischer Lindwurm mit zwölf Wagen, drei Musikgruppen und vielen Einzeljecken am Rosenmontag durch die schunkelnde Menge in den engen Walberberger Straßen und Gassen geschlängelt haben. Vielleicht werden wir noch in den Archiven fündig, aber bisher ist 1939 unser Startjahr.
Hier versuchen wir nun, Eindrücke der einzelnen Rosenmontagszüge aus den letzten Jahrzehnten zu vermitteln. Idealerweise mit einem Stimmungsbericht und schönen Fotos vom eigentlichen Ereignis. Das ist aber natürlich maßgeblich davon abhängig, ob wir überhaupt einen Stimmungsbericht bzw. Bilder vom Umzug vorliegen haben. Gerade was die Veranstaltungen aus den 1950er bis 1980er Jahre angeht, ist die Datenmenge recht dünn. Wir wären Ihnen deshalb sehr dankbar, wenn Sie uns noch Material zu den frühen Umzügen zur Verfügung stellen könnten, damit wir unser Archiv und damit unsere Webseite entsprechend ausstatten können. Vielen Dank vorab für Ihre Unterstützung.
Der Walberberger Rosenmontagszug in der Session 1954/55
In der Ausgabe des Bonner General-Anzeiger vom 22.02.1955 erschien ein toller Bericht von Sepp Trümpener mit Fotos zum Umzug.
Walberberg schuf mehr als „e Zöchelche”
Rosenmontagszug übertraf alle Erwartungen – Zahlreicher Besuch aus der Nachbarschaft
Bunte Karnevalswagen, originelle Fußgruppen, schunkelnde und singende Menschen an den Straßen und in den Fenstern — das war der äußere Rahmen des Rosenmontagszuges in Walberberg. Durch die Straßen, wo im vergangenen Jahr noch „e Zöchelche“ sich bewegte, zog jetzt eine prunkvolle Narrenrevue. Das muß. man den Walberbergen hoch anrechnen, zumal noch vor wenigen Wochen nicht klar war, ob überhaupt ein Zug aufgestellt werden sollte.
Schon Stunden bevor sich der Zug in Bewegung setzte, strömten Hunderte Schaulustige aus den umliegenden Dörfern herbei, um sich ein „Plätzchen“ zu sichern. Die Mühe lohnte sich! Was von den Walberbergern Fasteloovendsjecken gezeigt wurde, war des langen Wartens wert. „Do laachs do dich kapott, dat nennt m’r Camping“ war der Clou des für Walberberger Verhältnisse langen Zuges. Vier herrliche Wagen boten inmitten des verschneiten Dorfes ein sonniges Bild: Da lagen Männer und Frauen auf „fahrenden“ Wiesen und ließen sich in der Sonne vor ihren Zelten bräunen oder schaukelten sich vergnügt in Hängematten. Auch die unentbehrlichen Meckis hatten sich als Weltreisende eingefunden. Die Sportler entpuppten sich als „Lachendes Herz“. Lustig ging es besonders im „Försterhause“ her, wo auf heißer Platte Würstchen gebraten wurden. Die Feuerwehr fuhr ein ganz schweres Kaliber unter dem Motto 08/15 auf. Ein schöner Prunkwagen war das Gefährt der Loreley. Natürlich fehlten auch das unvermeidliche Wirtshaus mit der ständig umlagerten Schänke und die „Wiederbewaffnung“ nicht.
Mit viel Liebe hatte man den Prunkwagen der Jungfrau Paula I. und Bauer Josef I. hergerichtet. Die Jungfrau griff immer wieder mit beiden Händen in die Kisten und Kartons und warf Bonbons und Apfelsinen, eifrig unterstützt von ihrem ständigen Begleiter, dem deftigen Bauer. Von hohem, schmuckvollem Throne grüßte Prinz Josef II, ständig umlagert von der Jugend. Annähernd ein halbes Dutzend Zentner Kamellen mußte Josef II. unter das Volk bringen.
Alle Fotos vom Walberberger Rosenmontagszug aus der Session 1954/55 stammen von Sepp Trümpener. Quelle: Stadtarchiv Bornheim





