Der Walberberger Rosenmontagszug

Es ist immer der besondere Höhepunkt jeder Karnevalssession, der „Berje Ruusemondachszoch“!

Der Karneval wird, wie im gesamten Rheinland, auch in Walberberg bereits sehr lange gefeiert. Wann es allerdings in der Fasteloovendsbastion Walberberg den ersten ”Bäreje Zoch” mit Gruppen und/oder Wagen gegeben hat, ist nicht eindeutig.

Die einen sprechen von den 1930er Jahren, in denen sich der erste Karnevalstross durch unseren Ort gezogen hat. Nach anderen, bisher leider nicht bestätigten Quellen, soll sich bereits 1873 ein närrischer Lindwurm mit zwölf Wagen, drei Musikgruppen und vielen Einzeljecken am Rosenmontag durch die schunkelnde Menge in den engen Walberberger Straßen und Gassen geschlängelt haben. Vielleicht werden wir noch in den Archiven fündig, aber bisher ist 1939 unser Startjahr.

Hier versuchen wir nun, Eindrücke der einzelnen Rosenmontagszüge aus den letzten Jahrzehnten zu vermitteln. Idealerweise mit einem Stimmungsbericht und schönen Fotos vom eigentlichen Ereignis. Das ist aber natürlich maßgeblich davon abhängig, ob wir überhaupt einen Stimmungsbericht bzw. Bilder vom Umzug vorliegen haben. Gerade was die Veranstaltungen aus den 1950er bis 1980er Jahre angeht, ist die Datenmenge recht dünn. Wir wären Ihnen deshalb sehr dankbar, wenn Sie uns noch Material zu den frühen Umzügen zur Verfügung stellen könnten, damit wir unser Archiv und damit unsere Webseite entsprechend ausstatten können. Vielen Dank vorab für Ihre Unterstützung.

Der Walberberger Rosenmontagszug in der Session 1949/50

Das war ein „Zöchelche” in Walberberg
[21.02.1950 – Bonner General-Anzeiger]

Alle Vereine mit Freuden dabei — „Bärech Alaaf” im ganzen Ort. Der erste Eindruck: Tanzende Gruppen auf den Straßen, „feuchte” Begrüßungen der vielen Zuschauer aus der Umgegend, ein Wogen und Singen, kurzum – alles war auf den Beinen, um „dabei gewesen zu sein”.

Und dann setzte sich der Zug in Bewegung. Ein farbenprächtiges Bild: Vornweg die berittene Feuerwehr, Finanzamt presste in einer Traubenpresse einen Trizonesier aus. Die Fußballer hatten auf dem nächsten Wagen den Totofimmel. Auch an die „seligen“ Zeiten der Lebensmittelkarten wurde erinnert. Die Freiwillige Feuerwehr stellte die Wassernot am Vorgebirge unter das Motto: „An dem Schwengel litt et nitt, dat die Pump ke Wasser jitt!” Die Junggesellen hätten sich als Cowboys nicht mehr bunter kostümieren können. Die Zigeunergruppe und die folgenden Wagen hatten keinesfalls den Narrenspiegel vergessen. Die Landzusammenlegung wurde humoristisch auf zwei Wagen „gelöst“. „Wer soll dat bezahle?“ fragten „die Landwirte auf dem nächsten Wagen und wollten wissen, dass auch der „geldreichste Brunnen” einmal leer wird, wenn man zu viel „Abgaben“ von ihm verlangt. Der Wagen der Jungfrau [Luise I. (Luise Meschernich); AdR] und des Bauern [Willi I. (Willi Schiebahn); AdR] und ein Prunkwagen seiner Tollität Josef I. [Josef Leyendecker; AdR] mit dem ganzen närrischen Hofstaat wurde von den Bürgern mit Alaaf empfangen. In den Fußgruppen stellte jeder nach seiner Phantasie „etwas dar“. Nachdem der ganze Ort durchgekämmt war, zog alles in guter Stimmung schunkelnd in die Tanzsäle ein.

Alle Fotos vom Walberberger Rosenmontagszug aus der Session 1949/50   |   Quelle: Slg. FHW / Privatbesitz

Wir sind noch auf der Suche nach weiteren Bildern vom Rosenmontagszug aus dieser Session!

Der Walberberger Rosenmontagszug in der Session 1953/54

Parade der närrischen Ideen
[02.03.1954 – Bonner General-Anzeiger]

Der traditionelle Rosenmontagszug ließ nichts an Stimmung und Originalität zu wünschen übrig. Schon um ein Uhr setzte sich die „Parade der närrischen Ideen“ in Bewegung und passierte unter lautem Jubel der nahezu 1.000 Zuschauern die Straße. Dass die Bauern selbst bei der krisenreichen Zeit ihren rheinischen Humor nicht verlieren, bewiesen sie mit dem Wagen „Se jon net all onger eine Hoot“. Den meisten Wagen hatten es die populären Schlager angetan. Zwischen den 15 Wagen zogen neben einigen Tanzkorps und Musikkapellen auch originelle Fußgruppen einher, die zumeist das Ortsgeschehen glossierten. Prunkvoll hatte man die Gefährte des närrischen Dreigestirns ausgestattet.

Wir sind noch auf der Suche nach Bildern vom Rosenmontagszug aus dieser Session!

Der Walberberger Rosenmontagszug in der Session 1954/55

Walberberg schuf mehr als „e Zöchelche”
Rosenmontagszug übertraf alle Erwartungen – Zahlreicher Besuch aus der Nachbarschaft
[22.02.1955 – Bonner General-Anzeiger]

Bunte Karnevalswagen, originelle Fußgruppen, schunkelnde und singende Menschen an den Straßen und in den Fenstern — das war der äußere Rahmen des Rosenmontagszuges in Walberberg. Durch die Straßen, wo im vergangenen Jahr noch „e Zöchelche“ sich bewegte, zog jetzt eine prunkvolle Narrenrevue. Das muß. man den Walberbergen hoch anrechnen, zumal noch vor wenigen Wochen nicht klar war, ob überhaupt ein Zug aufgestellt werden sollte.

Schon Stunden bevor sich der Zug in Bewegung setzte, strömten Hunderte Schaulustige aus den umliegenden Dörfern herbei, um sich ein „Plätzchen“ zu sichern. Die Mühe lohnte sich! Was von den Walberbergern Fasteloovendsjecken gezeigt wurde, war des langen Wartens wert. „Do laachs do dich kapott, dat nennt m’r Camping“ war der Clou des für Walberberger Verhältnisse langen Zuges. Vier herrliche Wagen boten inmitten des verschneiten Dorfes ein sonniges Bild: Da lagen Männer und Frauen auf „fahrenden“ Wiesen und ließen sich in der Sonne vor ihren Zelten bräunen oder schaukelten sich vergnügt in Hängematten. Auch die unentbehrlichen Meckis hatten sich als Weltreisende eingefunden. Die Sportler entpuppten sich als „Lachendes Herz“. Lustig ging es besonders im „Försterhause“ her, wo auf heißer Platte Würstchen gebraten wurden. Die Feuerwehr fuhr ein ganz schweres Kaliber unter dem Motto 08/15 auf. Ein schöner Prunkwagen war das Gefährt der Loreley. Natürlich fehlten auch das unvermeidliche Wirtshaus mit der ständig umlagerten Schänke und die „Wiederbewaffnung“ nicht.

Mit viel Liebe hatte man den Prunkwagen der Jungfrau Paula I. und Bauer Josef I. hergerichtet. Die Jungfrau griff immer wieder mit beiden Händen in die Kisten und Kartons und warf Bonbons und Apfelsinen, eifrig unterstützt von ihrem ständigen Begleiter, dem deftigen Bauer. Von hohem, schmuckvollem Throne grüßte Prinz Josef II, ständig umlagert von der Jugend. Annähernd ein halbes Dutzend Zentner Kamellen mußte Josef II. unter das Volk bringen.

Alle Fotos vom Walberberger Rosenmontagszug aus der Session 1954/55 stammen von Sepp Trümpener.   |   Quelle: Slg. FHW / StAB

Der Walberberger Rosenmontagszug in der Session 1955/56

Er warf mit „Berlinern“
[15.02.1956 – Bonner General-Anzeiger]

Zu einem närrischen Triumphzug des Dreigestirns gestaltete sich der Karnevalszug in Walberberg. Hunderte von Menschen umsäumten die verschneiten Straßen und huldigten jubenld ihrem Regententrio. Der Prinz fuhr auf einem prächtigen Thronwagen, dessen bunter Schmuck weithin leuchtete. Auch der Prunkwagen für Jungfrau und Bauer war prächtig gelungen. Mit vollen Händen „bombardierten“ die Tollitäten die närrischen Zaungäste mit Bonbons, Apfelsinen und Berliner Ballen.
Auch im restlichen Zug fehlte es nicht an originellen Ideen. Da sah man u.a. eine lebhaft knatternde Mondrakete und Parodien auf die „arme Landwirtschaft“. Rund 30 Motivwagen, Tambourkorps und originelle Fußgruppen formten eine närrische Revue mit buntem Kolorit. Auf die Zuschauer soll es rund 20 Zentner Süßigkeiten geregnet haben.

Alle Fotos vom Walberberger Rosenmontagszug aus der Session 1955/56 stammen von Sepp Trümpener.   |   Quelle: Slg. FHW / StAB

Wir sind noch auf der Suche nach weiteren Bildern vom Rosenmontagszug aus dieser Session!

Der Walberberger Rosenmontagszug in der Session 1957/58

 Parade origineller Ideen in Walberberg
[18.02.1958 – Bonner General-Anzeiger]

Das war eine Parade origineller Ideen, die gestern durch die dichtumsäumten Straßen Walberbergs zog. Reiter bildeten die Vorhut, gefolgt von Wagen des Festkomitees. „Im Winter dann schneit et“ war das Motto der Chorvereinigung. Der SSV schloß sich mit einem Sputnik an. Das Verkehrsproblem in der verlängerten Hauptstraße löste die Feuerwehr auf ihrem Wagen mit einer riesigen Bogenbrücke. Mit viel Prunk hatte man den Wagen von Bauer und Jungfrau ausgestattet. Hinter der „guten Bauernstube“ des SSV rollte ein hübscher Wagen, der unter dem Motto „Mir fahren de Grön no Dünstekooven“ Lokalgeschehen parodiert. Der Kameradschaftliche [Kyffhäuser Kameradschaft Walberberg 1872 e.V.] hielt es mit den Jahreszeiten, die Feuerwehr gab in humorvoller Art ihrem Wunschtraum Ausdruck: den Kauf eines eigenen Löschfahrzeuges. Den krönenden Abschluß bildete der Wagen des Prinzen, den scharenweise die Jugend umlagerte, denn es hagelte nur so an Apfelsinen und Kamellen. Aber was wäre ein Zug ohne die Fußgruppen! In Walberberg legt man auf sie gesteigerten Wert. So sah man Teufelsmasken, Neger, Soldaten, ein ideales Brautpaar, Bockhalter, modisch orientierte Narren, Polizisten mit dicken Köpfen, Gemeindediener und „ahl Wiever“.

Alle Fotos vom Walberberger Rosenmontagszug aus der Session 1957/58.   |   Quelle: Slg. FHW / Privatbesitz

Wir sind noch auf der Suche nach weiteren Bildern vom Rosenmontagszug aus dieser Session!