10.11.2025-po
Reichspogromnacht vor 87 Jahren
Zur Zeit der NS-Herrschaft lebten in Walberberg zwei jüdische Familien. Die Familie Jonas und Horn. In diesem Beitrag möchten wir aber etwas näher an die Familie Horn und ihr Schicksal erinnern.
„Om Böischel en Bärech“ (Oberstraße) lebte die Familie Horn. Moses Horn, Sohn des Jacob aus Sinzenich (Ortsteil von Zülpich), zog von seinem Geburtsort nach Walberberg, um mit Klara Katz (et Kenelche) eine Familie zu gründen. Moses und Klara heirateten 1853 und hatten insgesamt zehn Kinder, die alle in Walberberg geboren wurden.
Die Familie lebte vom Handel und Metzgergewerbe. Moses verkaufte aber auch selbsterzeugte Rauchwaren. Noch zum Ende des 19. Jahrhunderts hin, führte Moses einen geschmückten Pfingstochsen durch das Dorf, der anlässlich des Pfingstfestes geschlachtet wurde.
Moses und Klara lebt 50 Jahre zusammen in Walberberg. 1903 wurde ihnen anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit, vom Bürgermeister die Kaiserliche goldene Ehejubiläums- Medaille überreicht. Sie starben friedlich als angesehene Bürger im Alter von 75 und 86 Jahren, noch vor dem Ausbruch des I. Weltkrieges. So mussten sie den gewalttätigen Antisemitismus der Nationalsozialisten nicht mehr miterleben, ganz im Gegensatz zu ihren Kindern.
In der NS-Zeit kamen drei der zehn Kinder der Familie Horn ums Leben. Die restlichen Kinder wanderten zum Großteil bereits im 19.Jahrhundert nach Amerika und Israel aus.
Besonders das Schicksal von Berta und Carolina Sara Horn (gen. Lina), die zu dieser Zeit noch in Walberberg lebten, ist durch Aussagen von Zeitzeugen bekannt:
Während der „Reichskristallnacht“ kamen auch SA-Männer aus Bonn nach Walberberg „… und schlugen die Scheiben des Hauses der Geschwister Carolina und Berta ein. Wenig später flogen Kleidungsstücke auf die Straße“ – „Alle hatten Angst. Berta und Lina standen auf der anderen Straßenseite und weinten fürchterlich. Nach ca. einer Stunde war die Aktion der SA vorbei…“
„Berta und Lina wohnten noch einige Zeit in ihrem Häuschen. Niemand von uns wusste, wann und wie sie abgeholt wurden. Eines Tages war das Häuschen plötzlich leer.“ Die beiden wurden 1942 nach Theresienstadt deponiert und 1942 in Treblinka ermordet.
An ihr Schicksal und an das der Familie Jonas erinnern seit 2008 sechs Stolpersteine vor ihren ehemaligen Wohnhäusern.
Foto:
Walberberger Stolpersteine für Berta und Lina Horn sowie für Markus, Helene, Julius und Elise Jonas.